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Frauen in die Produktion

15.10.2005

Acht Arbeiterinnen lernen beim IB in Bühl Maschinen- und Anlagenführerin

Tübingen. Ob Flaschenabfüllung in der Brauerei, Falzaggregat in der Druckerei oder CNC-Fräse im Metallbetrieb - an solchen Maschinen schaffen meist männliche Facharbeiter. Damit das nicht so bleibt, werden derzeit mit EU-Mitteln landesweit 120 Frauen berufsbegleitend zu Maschinen- und Anlagenführerinnen ausgebildet - acht von ihnen in den Werkstätten des Internationalen Bundes (IB). Gestern, am ersten Frauenwirtschaftstag im Land, wurde das Projekt vorgestellt.
"Ich möcht' weiterkommen", sagt Sandra Lehnert. Ein Leben lang als Sichtprüferin für Einspritzpumpen arbeiten - "nichts für mich", ist sich die 35-jährige Mutter von zwei Jungs sicher. Seit über fünf Jahren arbeitet sie als Ungelernte bei Bosch in Rommelsbach, seit Juli büffelt sie morgens Mathe beim IB in Bühl und lernt nachmittags, mit Drehmaschine und CNC-Fräse umzugehen. Bis zur IHK-Prüfung im Januar 2007 werden nun an jedem Freitag Nachmittag Freizeit wie Familienarbeit flach fallen. Jede vierte Woche stellt sie der Betrieb zudem zum Blockunterricht frei.

"39 Prozent aller berufstätigen Frauen im Südwesten sind ungelernt", weiß Andrea Seckinger von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS), die das landesweite Qualifizierungsprojekt leitet. Während ihre männlichen Kollegen weitaus häufiger einen Facharbeiter-Brief in der Tasche haben, arbeiten Frauen wie Sandra Lehnert auf Arbeitsplätzen, die immer häufiger wegrationalisiert werden. Werden ungelernte Frauen arbeitslos, finden sie nur mit Mühe wieder einen Job - wenn überhaupt.

Das ist auch Lehnerts Kollegin Esma Aydin klar: "Ich will in die Produktion", sagt die 25-Jährige selbstbewusst. Denn dort ist die Bezahlung besser als an ihrem derzeitigen Arbeitsplatz in der Bosch-Kantine, "außerdem kann ich mich dort steigern". Angst vor Mathe-Pauken und Prüfungen? "Hab ich keine", sagt Aydin. Sie ist jung und hat keine Kinder. Doch 90 Prozent der Kolleginnen, schätzt Boschlerin Lehnert, haben Familie und ächzen schon heute unter der Mehrfachbelastung. Wohl mit ein Grund dafür, dass sich nur acht Bosch-Arbeiterinnen sowie eine vom Tübinger Kühler-Hersteller Modine meldeten. Den zweijährigen Ausbildungsberuf Maschinen- und Anlagenführer/in gibt es erst seit kurzer Zeit. "Es ist nicht so, dass uns die Unternehmen die Türen einrennen", ist Gabriele Tiemanns Erfahrung. Zusammen mit WRS-Kollegin Seckinger musste die Projekt-Koordinatorin viele Klinken putzen.
Resonanz kam, wenn überhaupt, von größeren Mittelständlern. Die müssen ihre Mitarbeiterinnen zwar zwei Jahre bei Lohnfortzahlung teilweise freistellen, bekommen dafür aber qualifizierte und hochmotivierte Facharbeiterinnen, so die Erfahrungen beim ersten Projektdurchlauf, der 2004 endete. "Es gibt große Potenziale zu entwickeln", so Bosch-Personalreferentin Annette Binot: "Es lohnt sich, Frauen zu fördern."

Quelle: Schwäbisches Tagblatt / Rekittke