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Zeit der Kurzarbeit zur Weiterbildung genutzt

28.06.2002

Seit Jahresbeginn bietet die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart ein Weiterbildungsprogramm für unqualifizierte Frauen an. Als Erste haben 130 Arbeiterinnen der Firma STP daran teilgenommen, die seit Monaten kurzarbeiten müssen.
Die Resonanz auf das Angebot zur Weiterbildung war unerwartet groß. Mit 20 Teilnehmerinnen hatte man bei der Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart (WRS) gerechnet, schließlich meldeten sich jedoch 130 der 280 un- und angelernten Mitarbeiterinnen, die der Leiterplattenproduzent in Sindelfingen (Kreis Böblingen) beschäftigt.

Für diese Qualifikationsmaßnahme hatten die Teilnehmerinnen mehr Zeit, als ihnen lieb gewesen wäre: Bei STP wird seit März kurzgearbeitet. 80 bis 90 Prozent der rund 1000 Beschäftigten sind nach Angaben des Betriebsrates davon betroffen. Der Computerzulieferer hat unter der Flaute in der Branche zu leiden. Indem sie die frei gewordenen Zeit zur Weiterbildung nutzten, machten die Mitarbeiterinnen also aus der Not eine Tugend.

Sechs Wochen lang nahmen die Arbeiterinnen an Werktagen, die durch die Kurzarbeit frei geworden waren, an Schulungen teil. Sie wurden vor Ort durchgeführt und behandelten die Bereiche Mechanik, Elektronik und Computer. Diese so genannten Anpassungsqualifizierungen machen die ungelernten Kräfte zwar nicht zu Facharbeiterinnen, sagt Gabriele Tiemann, Projektbetreuerin bei der WRS. Zweck sei vor allem, dass die Teilnehmerinnen ein besseres Verständnis für ihre Arbeit bekommen, und zwar über den Rahmen ihrer alltäglichen Handgriffe hinaus. Sie sollen Einblick in die Produktionsabläufe in der Firma erhalten.

Die Weiterbildung befähige die Arbeiterinnen auch dazu, kleinere Störungen in der Produktion selbst zu beheben, sagt Tiemann. Gleichwohl führen die Frauen nach der Qualifizierung ihre bisherige Tätigkeit aus und erhalten auch den bisherigen Lohn.

Siegfried Liebscher, stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrates bei STP, hat beobachtet, dass sich vor allem die Zufriedenheit und Motivation der Arbeiterinnen gesteigert habe. Bei einer Abschlussveranstaltung zu den Schulungen seien viele begeisterte Stimmen zu hören gewesen. Die Weiterbildung erhöhe möglicherweise auch die Chancen bei zukünftigen Bewerbungen, so Liebscher.

Die Arbeiterinnen von STP sind die Einzigen, die bisher an dem Projekt der WRS teilgenommen haben. Gestartet wurde das bundesweit einzigartige Modell am Anfang dieses Jahres. Es hat eine Laufzeit von drei Jahren und verfügt über ein Budget von zwei Millionen Mark. Der Europäische Sozialfonds gewährt hierzu einen Zuschuss von 700 000 Mark, 800 000 werden von privater Seite beigesteuert. Das Projekt richtet sich ausschließlich an gering qualifizierte Frauen. Ursprünglich war es nur auf 120 Teilnehmerinnen angelegt, sagt Gabriele Tiemann. Nach der großen Resonanz bei STP wolle man jedoch weiteren 90 Frauen die Teilnahme ermöglichen.

Quelle: Stuttgarter Zeitung