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Außer Stolz auch Angst vor der eigenen Courage

13.12.2001

13 Frauen holen im IHK-Bildungshaus ihre Facharbeiter-Ausbildung nach / Arbeitsamt und Wirtschaftsförderung unterstützen das Projekt.

Remshalden.
Es ist immer noch ein ungewohntes Bild: Frauen im Blaumann am Schraubstock oder an der Fräsmaschine. Aber trotz der Schwielen an den Händen und der kompletten Umorganisation von Haushalt und Familie haben die dreizehn Teilnehmerinnen den Schritt gewagt. Sie holen im IHK-Bildungshaus ihre Facharbeiterinnenausbildung zur Industriemechanikerin nach.

Das angestrebte Ziel nach 22 Monaten Umschulung in der Grunbacher Lehrwerkstatt ist der Facharbeiterbrief Industriemechanikerin Geräte- und Feinwerktechnik. Wie das IHK-Bildungshaus mitteilt, sind auf dem Arbeitsmarkt an- und ungelernte Beschäftigte immer weniger gefragt. Unbefristete Arbeitsplätze sind bei vielen Unternehmen an den Erwerb des Facharbeiterbriefes gebunden. In Kooperation mit dem IHK-Bildungshaus Grunbach ist es einigen Betrieben, darunter die Robert Bosch GmbH, gelungen, eine Lösung zu finden und interessierten Mitarbeiterinnen die Weiterbildung zu ermöglichen. Unterstützung bekommen die Teilnehmerinnen durch das Arbeitsamt und durch ein Pilotprojekt der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH, die, zusammen mit dem Verband Region Stuttgart, ein Mentoring-Programm für gering qualifizierte Frauen ins Leben gerufen hat.

Eine Koordinierungsstelle wirbt bei Unternehmen für die Weiterbildung ihrer Beschäftigten und unterstützt diese anschließend durch Beratung, zusätzliche Seminare, bei Behördengängen und bei der Suche nach zusätzlichen Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder. Die Hauptlast aber tragen dennoch die Teilnehmerinnen selbst: Das ungewohnte Lernen fällt schwer, ganz abgesehen von den Problemen, die sich durch die Belastung der Familie ergeben.

Kein Wunder, wenn außer Stolz auch Angst vor der eigenen Courage mitschwingt, wenn sie erzählen, wie zäh sie sich durchgesetzt haben, um hier sein zu können: "Ich habe 14 Jahre Akkord gearbeitet. Erst kamen die Kinder, dann der Hausbau - jetzt bin ich dran", sagt Marica Adam. Und fügt hinzu: "Mal sehen, ob ich's schaffe." Ihre Voraussetzungen sind günstig: Die 13-jährige Tochter kann schon für sich und die jüngere Schwester nach der Schule das Essen warm machen, Küche aufräumen und dafür sorgen, dass beide pünktlich zum Nachmittagsunterricht gehen, ihr Mann unterstützt sie nicht nur bei der Hausarbeit, sonder auch beim Lernen. Nach bestandener Prüfung will er seinen Meister machen. Auch Frau Bozkurt spricht von Glück, weil ihr Mann, seit sie umschult, nur noch Nachtschicht arbeitet und tagsüber für die drei kleinen Kinder da sein kann. Viele sind unsicher, ob sie durchhalten werden, und alle fürchten jetzt schon die Prüfung in knapp zwei Jahren. Aber die ersten Schwierigkeiten scheinen überwunden und Klaus-Dieter Huber, Leiter der Ausbildung im IHK-Bildungshaus Grunbach, tut alles, damit Frauen im Arbeitsprozess bessere Chancen bekommen: "Wir werden noch dankbar sein für gute Fachkräfte - egal, ob Frau oder Mann."

Quelle: Waiblinger Kreiszeitung