zum Hauptmenü
zum Inhalt


Hauptmenü
< zurück zur Übersicht

Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert

07.09.2002

31 Arbeiterinnen sind jetzt Anlagenführerinnen

Stuttgart/Sindelfingen/Böblingen - Nach einer Weiterbildung haben jetzt 25 Frauen des Leiterplattenproduzenten STP in Sindelfingen sowie sechs Arbeiterinnen des Halbleiterproduzenten Philips Semiconductors in Böblingen das Zertifikat Anlagenführerin (IHK) erhalten.
Möglich wurde die Qualifizierung im Rahmen des bundesweit einmaligen Modellprojekts „Mentoring für gering qualifizierte Frauen“, das vom Verband Region Stuttgart und der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) konzipiert wurde und von der EU gefördert wird. Vor dem Hintergrund des Insolvenzantrags der Firma STP gewinnt der vorbeugende Charakter des Projekts eine besondere Bedeutung, da die Frauen ihre Chancen am Arbeitsmarkt spürbar erhöht haben.
Begleitend zur fachlichen Qualifizierung konnten die Teilnehmerinnen auf eine Unterstützungsstruktur mit umfangreichen Angeboten im Organisations- und Motivationsbereich zugreifen. „Mit den ungelernten Arbeiterinnen haben wir äußerst erfolgreich eine sonst häufig vernachlässigte Zielgruppe für Weiterbildungsmaßnahmen angesprochen, die laut unserem Wirtschaftsstrukturbericht für die Region Stuttgart besonders von Arbeitslosigkeit bedroht ist“, sagte Regionaldirektor Dr. Bernd Steinacher vom Verband Region Stuttgart. Gleichzeitig sucht laut WRS-Geschäftsführer Dr. Walter Rogg die große Mehrzahl der Unternehmen in der Region Stuttgart Fachkräfte. „Dieses innovative Modellprojekt hat einen Weg aufgezeigt, wie der Fach-kräftemangel durch Weiterbildung gemildert werden kann und nützt damit Arbeitgebern wie Arbeitnehmern“, betonte Rogg.
Die neu konzipierte Form der Weiterbildung wurde vom IHK-Bildungshaus Grunbach in Zusammenarbeit mit den beteiligten Un-ternehmen Anfang diesen Jahres entwickelt und sogleich in die Tat umgesetzt. Von Januar bis April 2002 durchliefen die Frauen eine technische Basisqualifizierung in Grunbach. In 144 Unterrichtsstunden wurden Inhalte aus den Bereichen Pneumatik, Elektrotechnik, Elektro-pneumatik, SPS, Chemie und Fototechnik geschult. Am Ende dieses Moduls stand ein Abschlusstest, den alle Teilnehmerinnen bestanden.
Danach begann die firmeninterne Qualifizierung an den jeweiligen Anlagen. Bedienen, Regeln, Einstellen, Fehlerbeseitigung, Anlagenjustage oder Messungen am Produkt sind einige Beispiele der Schulungsinhalte. Weiterbildungsleiter Hans-Georg Schappacher vom Bildungshaus Grunbach, der die Zertifikate verlieh, meinte: „Die Frauen waren unglaublich motiviert. Ein solch gutes Arbeitsklima trifft man sonst eher selten in Schulungen an.“
Da Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt eine wesentlich bessere Position als ungelernte Arbeitnehmer haben, hat sich die Weiterbildung für die Arbeiterinnen der Böblinger Firma STP , die Anfang Juni Insolvenzantrag gestellt hat, zweifach gelohnt. „Auf den zertifizierten Abschluss zur Anlagenführerin können die 31 Teilnehmerinnen zu Recht stolz sein. Sie haben Engagement gezeigt und durch die erfolgreiche Qualifizierung ihren Marktwert erheblich verbessert – im Unternehmen und darüber hinaus, am Arbeitsmarkt generell.“, so Otto-Werner Schade, Leiter des Landesarbeitsamtes Baden-Württemberg.

Quelle: Böblinger Bote