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Virus der Qualifizierung breitet sich aus

18.07.2003

Plochingen, Kreis Esslingen - Über ein bundesweit einmaliges Modellprojekt versuchen der Verband Region Stuttgart (VRS) und seine Wirtschaftsfördergesellschaft (WRS), dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Die Bilanz fällt äußerst positiv aus.

Mit insgesamt 120 Teilnehmerinnen hat Gabriele Tiemann gerechnet, als das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt Mentoring für gering qualifizierte Frauen Anfang 2000 startete. Die Realität übertraf diese Erwartungen überraschend schnell. Bis zum heutigen Zeitpunkt nahmen 210 Frauen an den Kursen teil. Tiemann rechnet damit, dass diese Zahl bis zum Ende des Projekts in diesem Jahr auf 330 Teilnehmerinnen steigen wird.

Ins Leben gerufen wurde das Modell von der WRS und dem VRS, weil sich auch in der Region Stuttgart längst abzeichnet, dass ungelernte Kräfte auf dem Arbeitsmarkt immer weniger Chancen haben, und es für die Firmen gleichzeitig immer schwerer wird, den Bedarf an Fachkräften zu decken. Gleichzeitig verbessert die Teilnahme an den Mentoringkursen auch die Chancen auf einen neuen Job, falls der Arbeitsplatz doch verloren geht.

Ob diese Annahme auch in der Realität zutrifft, kann die WRS bereits an 126 ehemaligen Mitarbeiterinnen der Sindelfinger Firma STP testen, die in Konkurs ging. Mit einer Fragebogenaktion versucht Tiemann herauszufinden, ob die betroffenen Frauen, die die Mentoringkurse absolviert haben, dadurch tatsächlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt besitzen.

Anfänglich stieß die WRS mit ihrem Angebot bei den Unternehmen in der Region, aber auch bei den potenziellen Teilnehmerinnen auf große Skepsis. Vor allem herrschte Unsicherheit darüber, ob die Frauen, unter ihnen viele Ausländerinnen, das Weiterbildungsprogramm wegen ihrer familiären und beruflichen Belastung auch durchhalten. Die Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Bisher führten nur zwei Frauen die Kurse nicht zu Ende.
Den Grund dafür sieht Tiemann in dem Mentoringsystem, das den Frauen neben der fachlichen Ausbildung durch ausgewählte Kräfte auch Gespräche, Informationen und Motivation anbietet. Obwohl die Unternehmen in der Region das WRS-Angebot zunehmend in Anspruch nehmen, wird es eine Verlängerung über 2003 hinaus kaum geben. Sowohl das Land als auch die Europäische Union kündigten an, die Förderung für das erfolgreich Projekt einzustellen.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten / Gerhard Schertler