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Chancen durch Qualifikation

18.07.2003

Mentoring-Projekt für Frauen

Esslingen. In den Garp-Bildungszentren der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart absolvieren zurzeit 110 Arbeitnehmerinnen eine Fortbildung. Ziel ist es, den schlecht ausgebildeten Frauen bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

Arbeitskräfte mit fehlender oder mangelnder Berufsausbildung haben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten schlechte Karten. "In den nächsten Jahren wird ein Großteil der Arbeitsplätze für An- und Ungelernte wegfallen", prophezeit Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS). Dafür werden die Betriebe laut Rogg künftig verstärkt nach qualifiziertem Personal verlangen. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, hat die WRS gemeinsam mit den IHK-Bildungshäusern der Region das bundesweit einmalige Projekt "Mentoring für gering qualifizierte Frauen" ins Leben gerufen.

Von der regionalen Initiative sollen Arbeitnehmerinnen und Unternehmen profitieren. Erstere verbessern ihre Berufschancen, Letztere profitieren potenziell vom verbesserten Mitarbeiterinnenwissen. "Der Mentoring-Ansatz verbindet auf ideale Weise den arbeitsmarktpolitischen mit dem wirtschaftspolitischen Nutzen", sagt Rogg. An dem Projekt, das seit dem Jahr 2001 läuft, nehmen zurzeit Mitarbeiterinnen des Neuhäuser Sensorenproduzenten Balluff und des Esslinger Automobilzulieferers Wahler teil. In den Garp-Bildungszentren Plochingen und Ostfildern-Ruit haben elf Arbeiterinnen, die in der Balluff-Produktion beschäftigt sind, in jeweils neun Schultagen Grundlagen der Elektrotechnik und der Elektrischen Messtechnik erlernt. Fünf weitere Frauen, die sich zu einer umfangreicheren Weiterbildung entschlossen hatten, haben vergangene Woche die Basisqualifizierung zur Anlagenführerin (IHK) abgeschlossen. Aus dem Hause Gustav Wahler beteiligen sich insgesamt 87 Frauen am Projekt. 38 haben in dieser Woche den ersten Teil einer achttägigen Anpassungsqualifizierung in den Bereichen Qualitätsmanagement, Längenprüf-, Werkstoff-, Maschinen- und Gerätetechnik absolviert. 30 der Frauen haben die Chance, das Zertifikat der Anlagenführerin zu erwerben. Das Interesse für das Projekt hat sowohl die Erwartungen der WRS als auch der Personalchefs übertroffen. "Über die große Resonanz waren wir hocherfreut", sagt etwa der Personalleiter der Gustav Wahler GmbH, Frank Oppenländer.

Durch den Erfolg sieht sich die WRS in ihrer Konzeption bestätigt. Wenn Frauen unter sich sind und sich nicht durch die Anwesenheit von Männern eingeschüchtert und gehemmt fühlen müssen, entwickeln sie durchaus Interesse und Talent im Bereich technischer Fortbildung. Aus diesem Grund gibt es dieses ausschließlich auf Arbeitnehmerinnen gemünzte Angebot. Die gute Resonanz ist Rogg zufolge auch auf das Mentoring zurückzuführen. Eine WRS-Koordinierungsstelle und betriebsinterne Mentorinnen helfen den Frauen, die seit langem keine Schulbank mehr gedrückt haben, mit der ungewohnten Situation klarzukommen.

Indessen liegen noch keine Erfahrungswerte vor, ob die Absolventinnen hinterher tatsächlich bessere Berufschancen haben. Die WRS will aber in Erfahrung bringen, wie sich Arbeitnehmerinnen des Böblinger Halbleiterherstellers STP, der vor der Abwicklung steht, auf dem Arbeitsmarkt behaupten. Diese Frauen haben am Mentoring-Programm teilgenommen, das Ende des Jahres ausläuft. Laut WRS soll das Projekt weitergeführt werden. Ob dies funktioniert, sei indessen offen. Denn die Kofinanzierung aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds laufe definitiv aus.

Quelle: Stuttgarter Zeitung / Wolfgang Berger