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Arbeiterinnen qualifizieren sich bei "Mentoring"

23.07.2003

Kreis Esslingen: Erfolgreiches Pilotprojekt zur Weiterbildung gering qualifizierter Frauen

"Berufliche Weiterbildung" lautet die Zauberformel, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Arbeitsplätze sichern soll. Mehr als 200 Arbeiterinnen nutzten bisher in der Region eine neue Chance, sich fachlich zu qualifizieren: Ermöglicht wurde dies durch das bis Ende des Jahres laufende Pilotprojekt "Mentoring für gering qualifizierte Frauen" der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS).

Als "überaus erfolgreich" bezeichnete Gabriele Tiemann von der eigens eingerichteten Koordinierungsstelle Mentoring das Qualifizierungsmodell, das in Zusammenarbeit mit dem Verband Region Stuttgart konzipiert wurde. Zur betrieblichen Umsetzung stehen Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds zur Verfügung. Die Ausbildung von Fachkräften gehöre zu den wichtigsten Standortfaktoren, betonte Helmuth Haag von der WRS: "Selbst in der jetzigen Krise leiden die Unternehmen noch an Fachkräftemangel."

Dem neuen "präventiven Ansatz" zufolge soll an- und ungelernten Produktionsarbeiterinnen eine Weiterbildung ermöglicht werden, bevor sie von Arbeitslosigkeit bedroht oder betroffen sind. Ein Großteil der unqualifizierten Arbeitsplätze werde Prognosen zufolge künftig wegfallen, weiß Haag. Fachkräfte würden dagegen gesucht.

Von guten Erfahrungen mit dem Projekt berichten inzwischen etwa der Sensorenproduzent Balluff in Neuhausen und Autozulieferer Gustav Wahler in Esslingen. Die anfängliche Skepsis, ob sich genügend Frauen finden würden, ist längst ausgeräumt: Es gebe einen regelrechten Run auf die Lehrgänge, freut sich der Personalleiter der Wahler GmbH, Frank Oppenländer. Dabei sei es für viele Frauen neben Schichtbetrieb, Haus- und Familienarbeit gar nicht einfach, nochmal die Schulbank zu drücken. Durch Freistellung von der Arbeit, betreuende Mentorinnen und Vorbereitungsseminare unterstützen die Firmen das Projekt.

Hans-Georg Schappacher vom IHK-Bildungshaus Grunbach entwickelte speziell auf die jeweiligen Unternehmen zugeschnittene Kursinhalte: Beim Anpassungslehrgang lernen die Teilnehmerinnen technologische Grundlagen und werden in die spezifischen Gegebenheiten der Anlagen eingeführt. Beim IHK-Zertifikatslehrgang können sich die Arbeiterinnen nach theoretischen und praktischen Tests sogar zur Maschinen- oder Anlagenführerin qualifizieren. Den theoretischen Teil im IHK-Bildungszentrum GARP in Plochingen haben etwa Gabriele Kahl und Olga Alberg-Abdullahu von der Firma Balluff erfolgreich abgeschlossen: Sich in Elektro- oder Messtechnik erfolgreich einzuarbeiten, stärke das Selbstbewusstsein und die Arbeitsmotivation, sind sich die Frauen einig.

Die Unternehmen könnten durch messbar höhere Wirtschaftlichkeit von besser qualifizierten Kräften profitieren, so Hans-Georg Schappacher: "Die Verfügbarkeit der Anlagen wird höher, Störungen und Fehler kommen seltener vor." Zudem könnten die Frauen eine höhere Gehaltsstufe erreichen.

Quelle: Esslinger Zeitung / Iris Koch