zum Hauptmenü
zum Inhalt


Hauptmenü
< zurück zur Übersicht

Motivation für höhere Qualifizierung

19.04.2004

Der Anteil ungelernter Arbeitnehmerinnen ist in der stark industriell geprägten Region Stuttgart besonders hoch. Vor diesem Hintergrund hat die Wirtschaftsförderung das Projekt "Mentoring für gering qualifizierte Frauen" ins Leben gerufen, an dem auch Unternehmen aus dem Kreis Böblingen beteiligt waren.

"In der Region Stuttgart gibt es allein im produzierenden Gewerbe rund 40 000 an- und ungelernte Arbeitnehmerinnen, deren Tätigkeiten häufiger und schneller wegrationalisiert und durch Maschinen ersetzt werden", erklärt die SPD-Landtagsabgeordnete Birgit Kipfer. Im Rahmen einer Diskussion hat die SPD-Regionalfraktion das Ergebnis des jetzt abgeschlossenen Pilotprojekts kürzlich in Böblingen vorgestellt.
Gabriele Tiemann und Andrea Seckinger waren die Leiterinnen des vom Februar 2001 bis Januar diesen Jahres durchgeführten Projekts. Ausgangspunkt war eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung und der Prognos AG aus dem Jahr 1999, die besagt, dass sich der Bedarf an Arbeitskräften ohne abgeschlossene Berufsausbildung von 2000 bis 2010 halbieren wird. Nur noch 11,4 Prozent der Erwerbstätigen in Westdeutschland werden dann ohne Ausbildung sein.

Kaum Weiterbildungsmöglichkeiten

39 Prozent der Frauen sind in Baden-Württemberg ungelernt. Für sie gibt es kaum Weiterbildungsmöglichkeiten. Zudem sind fast alle zusätzlich durch Familie und Hausarbeiten beansprucht. Hinzu kommen oft Sprachprobleme und fehlende mathematische Kenntnisse. Dieser Ausgangsposition entsprechend ist das Projekt konzipiert worden, an dem sich 323 Frauen aus acht Unternehmen beteiligt haben. In Sindelfingen hatten 122 Frauen der STP die Hoffnung, mit der Qualifizierung eventuell ihren Arbeitsplatz sichern zu können. Aus Böblingen haben sechs Frauen der Firma Philips teilgenommen.

Angeboten wurden zwei Maßnahmen. Die so genannte Anpassungsqualifizierung hat rund sieben Schulungswochen umfasst und sollte inhaltlich mehr Know-how für den eigenen Arbeitsplatz und Einblick in den gesamtbetrieblichen Zusammenhang vermitteln. An der anspruchsvolleren Aufstiegsqualifizierung haben 103 Frauen teilgenommen. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) konnten sich die Teilnehmerinnen hier zur Anlagenführerin ausbilden lassen.

Mit dem Mentoring ist das Ziel angestrebt worden, die Qualifizierungsmaßnahmen in ein Unterstützungssystem einzubetten. Extern wurde dabei den Frauen von der Koordinierungsstelle des Projekts, weiteren Beraterinnen und Beratern sowie von den Bildungsträgern geholfen. Aber auch in den Unternehmen gab es vertraute Ansprechparnter, um den Teilnehmerinnen bei betrieblichen und privaten Problemen helfen zu können.

Die Mehrzahl (40 Prozent) der teilnehmenden Frauen war zwischen 35 und 44 Jahre alt, 29 Prozent zwischen 45 und 54 Jahre, 24 Prozent zwischen 25 und 34 Jahre, fünf Prozent unter 25 Jahre und zwei Prozent über 55 Jahre. 278 Frauen haben während der Projektlaufzeit erfolgreich eine Anpassungsqualifizierung absolviert. 103 Frauen haben die Aufstiegsqualifizierung geschafft, 58 davon im Anschluss an eine Anpassungsqualifizierung. 94 Teilnehmerinnen erlangten das IHK-Zertifikat der Anlagenführerin.

Nur drei Frauen haben die Qualifizierung abgebrochen. "Der Erfolg des Projekts ist untrennbar mit der Mentoring-Komponente verbunden", sind sich die Leiterinnen Gabriele Tiemann und Andrea Seckinger sicher: "Die verschwindend geringe Zahl an Qualifizierungsabbrüchen wäre ohne das umfangreiche Unterstützungsangebot sicherlich nicht erreicht worden."

Hoch zufrieden ist Ursula Saremski, Abteilungsleiterin bei Philips in Böblingen, mit dem Ergebnis des Pilotprojekts. Die sechs Teilnehmerinnen des Hauses waren an Produktionsanlagen der Halbleiterfertigung beschäftigt. Während der Ausbildung zur Anlagenführerin hätten die Frauen ein hochmotiviertes Team gebildet. Ursula Saremski: "Die Teilnehmerinnen sind nun in der Lage, Störungen an den Anlagen präziser zu definieren und zuzuordnen. Manche Fehler können selbst behoben werden."

Wenn auch die Arbeitsplätze verloren gegangen sind, ist die frühere Betriebsratsvorsitzende von STP, Gisela Haupt, von dem Konzept überzeugt. Von den 122 teilnehmenden Frauen haben sich 25 zur Anlagenführerin ausbilden lassen. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind gewachsen, ist Gisela Haupt überzeugt. Eine Anlagenführerin ist bereits von Philips übernommen worden.

Quelle: Sindelfinger Zeitung / Gottfried Jenssen