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Büffeln als Vorsorge gegen drohenden Jobverlust

05.04.2005

Startschuss für landesweites Projekt fällt im Landkreis Esslingen - Ungelernte Frauen holen einen Berufsabschluss nach
Esslingen - Für zehn Frauen heißt es seit gestern wieder die Schulbank zu drücken. Sie nehmen an einem neuen Projekt der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart teil und sollen somit in rund 15 Monaten die Gefahr, arbeitslos zu werden, deutlich verringern.

Rund 50 Prozent der so genannten un- und angelernten Arbeitskräfte sind Frauen. Jede zweite Stelle, die von eben jenen besetzt ist, wird nach Aussage von Wirtschaftsexperten in Zukunft wegfallen. Die Wirtschaftsregion Stuttgart will diesen Trend zuvorkommen und bietet eine Weiterbildung als Präventionsprojekt an. Zehn Frauen holen dabei mit finanzieller Hilfe der Europäischen Union einen Berufsabschluss nach.
Gestartet worden ist das landesweite Projekt unter dem Namen "Mentoring und Qualifizierung" im Kreis Esslingen. Nach Beendigung der Ausbildung sollen die Frauen ihren Abschluss als Nachrichtengerätemechanikerin in der Tasche haben. Als Ausbildungsträger fungiert das Garp-Bildungszentrum in Ostfildern-Ruit. Dort werden die zehn Teilnehmerinnen bis zum Juli nächsten Jahres einmal monatlich eine Woche Blockunterricht absolvieren und zudem jeden Freitagnachmittag die Schulbank drücken.

Durch den nachträglichen Berufsabschluss "verbessern ungelernte Arbeiterinnen, die besonders von Arbeitslosigkeit bedroht sind, ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt", so umreißt Walter Rogg, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, die Ziele des neuen Projekts. "Hier wird die Chance geboten, präventiv etwas gegen den drohenden Arbeitsplatzverlust zu unternehmen", so führt Andrea Seckinger von der Wirtschaftsförderung weiter aus.

Das landesweite Projekt in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, das aus dem Europäischen Sozialfonds mit insgesamt knapp 700 000 Euro unterstützt wird, ist die Fortsetzung des Projekts "Mentoring für gering qualifizierte Frauen". Das hatte die Wirtschaftsförderung bereits im Jahr 2001 initiiert. "Im Unterschied zu dem Vorläufermodell haben die Frauen nun aber die Chance, nicht nur ein Zertifikat, sondern eine komplette Ausbildung zu erhalten", so erläutert Andrea Seckinger. Zudem war das Vorgängerprojekt lediglich regional ausgelegt und nicht landesweit. Der Großteil der Lehrgangskosten wird durch die EU-Gelder finanziert, die einzelne Teilnehmerin muss dazu rund 400 Euro beisteuern. Der nächste Ausbildungslehrgang soll aller Voraussicht nach im Raum Reutlingen/Tübingen stattfinden und eine Ausbildung zur Maschinen- und Anlagenführerin anbieten. "Des Weiteren haben wir noch den Raum Remstal im Visier", so Andrea Seckinger, "dort laufen jedoch noch die Gespräche."

In den meisten Fällen ist es die Wirtschaftsförderung, die an die Unternehmen herantritt und sie einlädt, ihre ungelernten Kräfte weiterbilden zu lassen. "Natürlich haben die Firmen dann einen Produktionsausfall während der Zeit des Blockunterrichts", räumt Andrea Seckinger ein, "auf der anderen Seite bekommen sie jedoch eine gut ausgebildete Facharbeiterin."

Unternehmen aller Branchen, die ihren Mitarbeiterinnen eine Qualifizierungschance eröffnen wollen, erhalten weitere Informationen unter der Telefonnummer 07 11/2 28 35 28 oder im Internet unter www.mentoring.region-stuttgart.de.

Quelle: Stuttgarter Zeitung - Ausgabe Kreis Esslingen / Julia Buschmann